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Red Seas Under Red Skies (GollanczF.)
Scott Lynch
Career of Evil
Robert Galbraith

Historischer Medizin-Krimi mit faszinierendem Setting, aber einer leider sehr behäbigen Story

Runa: Roman - Vera Buck

Das Pariser Nervenkrankenhaus Hôpital de la Salpêtrière war im 19. Jahrhundert die angesehenste psychiatrische Heilanstalt in ganz Europa und berufliche Heimat einer ganzen Reihe bekannter Ärzte, zu denen beispielsweise auch Sigmund Freud zählte. Was zunächst wie eine absolute Vorzeige-Institution der medizinischen Forschung wirkt, erscheint in „Runa“, dem Debütroman der jungen Autorin Vera Buck, jedoch wie die Hölle auf Erden – zumindest, wenn man zu den bedauernswerten Patientinnen der Klinik gehört. Aus heutiger Sicht haben die damaligen Praktiken an der Salpêtrière nämlich mehr mit einer Folterkammer gemein, wie man als Leser schon früh im Buch feststellen muss. Einmal in der Woche hält der berühmte Neurologe Jean-Martin Charcot nämlich im Hörsaal der Klinik seine berühmten Vorträge und führt einer begeisterten Menge von Medizinern und Studenten die Patientinnen und ihre Erkrankungen vor – und dabei scheint das Motto zu gelten: je wahnsinniger die Kranke, desto spektakulärer die Show. Als Leser muss man schon schlucken, wenn psychisch kranke und wehrlose Frauen ohne jegliche Menschenwürde vor ein sensationslüsternes Publikum gezerrt werden und ohne Rücksicht auf ihr Wohl schmerzhafte Anfälle provoziert oder demütigende Untersuchungen an ihnen vorgenommen werden, während sich die vermeintliche neurologische Koryphäe Charcot von seinen Jüngern feiern lässt.

 

Ein mysteriöses Mädchen als unfreiwilliges Forschungsobjekt

 

Zu dieser begeisterten Anhängerschaft zählt auch der Protagonist dieses Romans, der junge Schweizer Medizinstudent Jori, für den das Studium an der Salpêtrière aus vielerlei Gründen der Himmel auf Erden ist: zum einen darf er mit den besten Ärzten seiner Zeit zusammenarbeiten und von ihnen lernen, er hat die Möglichkeit, mit einem Doktortitel unter Charcot seine persönliche Karriere deutlich voranzutreiben und er hofft, in diesem Umfeld endlich ein Heilmittel für die Hysterie-Erkrankung seiner großen Liebe Pauline zu finden und mit ihr dadurch das Leben führen zu können, dass er sich seit vielen Jahren erträumt. Der Schlüssel zum Erfolg scheint das Mädchen Runa zu sein, dass nicht nur Vera Bucks Buch seinen Titel verleiht, sondern Jori die Möglichkeit gibt, auf eigene Faust nach dem langersehnten medizinischen Durchbruch zu forschen. Und auch hier zeigt sich der zweifelhafte Charakter der Pariser Ärzteschaft, denn an der Klinik werden nach Bekanntwerden von Joris Projekt gleich Wetten darüber abgeschlossen, ob der Student es tatsächlich schafft, dem Mädchen förmlich „den Wahnsinn aus dem Gehirn zu schneiden“, oder ob Runa bei dem heiklen Eingriff ihr Leben lässt.

 

„Prominente“ Nebendarsteller sorgen für hohe Authentizität

 

Bis Runa jedoch überhaupt die Bühne betritt, vergehen fast 200 Seiten und so kommt die Geschichte an sich eher schleppend in Gang, da die Autorin das erste Romandrittel vorrangig dazu nutzt, den Schauplatz der Handlung vorzustellen und die Leser mit der medizinischen Thematik vertraut zu machen. Auch wenn die lange Einführungsphase wenig Spannung verspricht, so hat das Buch für mich hier jedoch bereits seine stärkste Phase, da die schockierenden Praktiken an der Salpêtrière eine verstörende Mischung aus Faszination und Abscheu hervorrufen und eine sehr beklemmende Atmosphäre erzeugen. Bucks großer Trumpf ist zudem, dass viele ihrer Nebenfiguren tatsächlich existierende historische Persönlichkeiten sind, wie z.B. der eingangs erwähnte Neurologe Charcot oder auch ein gewisser George Gilles de la Tourette, dem das gleichnamige Tourette-Syndrom seinem Namen zu verdanken hat. Dadurch wirkt „Runa“ sehr authentisch und der Realitätsbezug lässt die medizinischen Eingriffe an der Klinik noch einmal grausamer erscheinen, weil diese sich anscheinend tatsächlich so abgespielt haben.

 

Faszinierendes Setting, aber behäbige Story und schwache Hauptfigur

 

Allerdings machen ein interessantes Thema und ein spannendes Setting alleine noch keinen packenden Roman aus, und leider hatte „Runa“ für mich abgesehen davon auch wenig zu bieten. Die Story entwickelt sich sehr behäbig und auch die Krimi-Elemente konnte mich nicht wirklich zum Weiterlesen motivieren, zudem schaden die vielen Erzählperspektiven meiner Meinung nach eher als das sie nützen, da durch den ständigen Wechsel auch kein richtiger Erzählfluss aufkommen will. Ein weiter großer Kritikpunkt ist für mich zudem auch die schwache Hauptfigur, denn ich habe für Jori hauptsächlich Abscheu empfunden, weil dieser nur von egoistischen Motiven angetrieben wird, sich aber überhaupt nicht um das Wohl seiner Patientinnen zu scheren scheint und damit für mich als angehender Arzt und Sympathieträger komplett durchfällt und während der 600 Seiten auch kaum an Profil gewinnt. Auch das eher offene Ende konnte mich nicht zufriedenstellen, sodass „Runa“ für mich insgesamt leider eine Enttäuschung ist, da mich zwar das Setting fasziniert hat, mich die Geschichte selbst jedoch zu keinem Zeitpunkt fesseln konnte.

Quelle: http://buecher-monster.de/2015/11/24/gelesen-runa-vera-buck

Eine humorvolle Tragikomödie mit einem sympathischen Griesgram

Ein Mann namens Ove (Hörbestseller) - Fredrik Backman, Stefanie Werner, Heikko Deutschmann

Jeder kennt wohl das Klischee vom verbitterten Rentner, der den ganzen Tag nichts besseres zu tun hat, als am Fenster zu hängen und seine Nachbarn zu beobachten, Falschparker aufzuschreiben und jeden noch so kleinen Regelverstoß der Mitmenschen beim Ordnungsamt oder der Polizei anzuzeigen – und genau solch ein personifiziertes Klischee ist der 59-jährige Ove, Vorzeige-Spießer und Hauptfigur in Fredrik Backmans internationalem Bestsellerroman „Ein Mann namens Ove“. Der unfreiwillige Frührentner bringt dabei alle Voraussetzungen mit, um es sich nicht nur mit seinem Umfeld zu verscherzen, sondern auch bei der Leserschaft kräftig anzuecken: Jeden Morgen macht Ove einen Kontrollgang durchs Haus und durch die Siedlung und hält alles fest, was ihn nicht in den Kram passt und gegen irgendwelche Vorschriften verstößt – sei es der Nachbar, der sein Fahrrad falsch im Keller abgestellt hat, der Autofahrer, der zu schnell durch seine Straße fährt oder die nervige Tussi, die ihren Hund ständig auf den Bürgersteig pinkeln lässt und damit die Pflastersteine verätzt. Ove scheint so sehr in seinem Spießertum aufzugehen, dass es fast ein wenig überraschend kommt, dass der grantige alte Mann seinem Leben ein Ende setzen will, doch nach dem Tod seiner Frau kann ihn offenbar nicht einmal mehr das Anschwärzen seiner Mitmenschen im Leben halten.

 

Harte Schale, weicher Kern

 

Man sollte meinen, dass ein solche Griesgram wie Ove nicht gerade dafür prädestiniert wäre, viele Leserherzen für sich zu gewinnen, doch als Leser hat man gegenüber Oves Umfeld einen ganz entscheidenden Vorteil: man wird nie selbst zur Zielscheibe von Oves penetranten Belehrungen und miesepetrigen Anfeindungen, sondern kann sich entspannt zurücklehnen und sich köstlich darüber amüsieren, wie der Frührentner beim iPad-Kauf einen Verkäufer in den Wahnsinn treibt, mit seiner Streitsucht die Mordlust der oben erwähnten Hundebesitzerin weckt oder den bemitleidenswerten Mann seiner neuen Nachbarn – von Ove „liebevoll“ nur „der Idiot“ genannt – bei jeder Gelegenheit vorführt. Trotzdem schafft es Fredrik Backman, dass man seinen Protagonisten nicht als verbittertes Ekelpaket wahrnimmt, sondern als lediglich prinzipientreuen und sehr moralischen Mann, dessen vermeintliche Garstigkeit zu großen Teilen auf ein sehr bewegtes Leben mit wenigen Höhepunkten, aber vielen Enttäuschungen zurückgeht. Einige dieser Erlebnisse schildert Backman in kurzen Rückblicken in Oves Vergangenheit, die eben nicht nur eine Erklärung für sein Verhalten liefern, sondern ihn einem auch als Menschen näher bringen und man merkt recht früh, dass Ove nicht bösartig, sondern einfach nur ein Vertreter der Kategorie „Harte Schale, weicher Kern“ ist.

 

Eine amüsante und warmherzige Tragikomödie mit einem sympathischem Griesgram

 

Trotz des mürrischen Hauptdarstellers und der vermeintlich tragischen Geschichte um einen einsamen Mann, der sich das Leben nehmen möchte, ist „Ein Mann namens Ove“ somit insgesamt eine überwiegend sehr amüsante Angelegenheit, bei welcher der Autor eine gute Mischung aus Heiterkeit und Tragik findet. Hier darf ohne schlechtes Gewissen darüber gelacht werden, wenn ein Mann am Bahnsteig plötzlich ohnmächtig auf die Gleise kippt und Ove dadurch den eigenen Selbstmordversuch vermiest, auch wenn die hier vorkommende Häufung solcher Ereignisse natürlich schon recht realitätsfern ist. Zudem ist die Geschichte über weite Strecken ein wenig vorhersehbar, was Backman aber mit einem sehr gelungenen und durchaus doch noch überraschenden Ende zum Teil wieder wettmacht. Mein größter Kritikpunkt an dem Roman ist vielmehr der, dass Ove für sein tatsächliches Alter einfach zu alt dargestellt wird, da dieser oft eher wie ein verbitterter alter Mann in den Siebzigern wirkt – dabei ist er tatsächlich gerade mal 59. Dazu passt auch ein wenig die Vorstellung von Hörbuchsprecher Heikko Deutschmann, der mit seiner knurrigen Lesung zwar einerseits sehr gut zum Protagonisten passt, aber ebenfalls rund 10 Jahre zu jung klingt. Doch auch mit diesen kleinen Unstimmigkeiten ist „Ein Mann namens Ove“ insgesamt ein tolles (Hör-)Buch mit einer amüsanten, zugleich aber auch bewegenden Geschichte und einer Hauptfigur, die sich trotz aller Macken und rauen Sprüche in die Herzen der Leser und Hörer spießern dürfte. Im nächsten Jahr kommt übrigens sogar eine Verfilmung des Romans mit Wallander-Darsteller Ralf Låssgard in der Hauptrolle in die Kinos.

Quelle: http://buecher-monster.de/2015/11/16/gehoert-ein-mann-namens-ove-fredrik-backman

Night School. Du darfst keinem trauen – C.J. Daugherty (Buchrezension)

Night School. Du darfst keinem trauen (Night School #1) - C.J. Daugherty

Seitdem ihr Bruder Christopher vor geraumer Zeit spurlos verschwunden ist, hat sich die 15-jährige Alyson Sheridan zu einem regelrechten Problemkind entwickelt. Ständig gibt es Ärger in der Schule und nicht selten wird das Mädchen von der Polizei nach Hause gebracht. Allie scheint dies jedoch nicht davon abzuhalten, weiter mit ihrer Clique für Unruhe zu sorgen. Als sie dann aber erwischt wird, wie sie in der Schule unflätige Graffitis an die Tür der Direktorin sprayt, nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung. Zwar kann sie sich noch vor der Polizei in einen Abstellraum flüchten, doch aufgrund einer dort erlittenen Panikattacke ist sie praktisch gezwungen, ihren Verfolgern in die Arme zu laufen.

 

Eine rebellische Teenagerin wird auf ein geheimnisvolles Elite-Internat strafversetzt

 

Diese Aktion bringt bei ihren Eltern das Fass zum Überlaufen und so sehen sich die Sheridans genötigt, ihre rebellische Tochter in eine neue Umgebung zu schicken, um Allies Treiben ein Ende zu setzen. So wird die 15-Jährige kurzerhand ins Auto gepackt und an der geheimnisvollen Cimmeria Academy abgesetzt, einem abgelegenen Elite-Internat mit strengen Regeln, welches das Mädchen zur Besinnung bringen soll. Allie ist natürlich wenig begeistert, hat aber keine andere Wahl, als sich umgehend an der neuen Schule einzugewöhnen. Dabei macht sie schnell die Erfahrung, dass Cimmeria offenbar ein ganz besonderer Ort ist: Jegliche Technik ist von dem Internat ausgeschlossen und so muss sich Allie statt mit Computern und iPods nun intensiv mit ihrem Lernstoff auseinandersetzen. Doch nach und nach entdeckt sie zudem, dass die Schule allem Anschein nach noch ein dunkles Geheimnis hat, dass unter allen Umständen verborgen bleiben soll…

 

Spannender Internatsthriller oder klischeehafte Teenie-Story?

 

Ich gebe ehrlich zu, dass ich lange überlegt habe, bis ich mir “Night School. Du darfst keinem trauen” in meine iBooks-Bibliothek geladen habe. Einerseits fand ich das tolle Cover auf den ersten Blick sehr ansprechend und außerdem lese ich nicht erst seit “Harry Potter” unheimlich gerne Internatsgeschichten. Allerdings hatte ich nach dem Lesen des Klappentextes auch durchaus meine Vorurteile. Denn auf der anderen Seite roch das dort Gelesene doch ziemlich stark nach klischeebehafteter Teenie-Story mit schwülstigen Herzschmerz-Einlagen und Fantasy-Elementen. An dieser Stelle kann ich aber zumindest schon mal teilweise Entwarnung geben, denn der erste von fünf angekündigten “Night School”-Bänden ist garantiert frei von Vampiren, Werwölfen oder sonstigen Fantasygestalten.

 

Wenig origineller Anfang mit den üblichen Schulwechsel-Abläufen

 

Der Einstieg ist zugegebenermaßen nicht sonderlich originell. Die jugendliche Hauptfigur wird bei einem neuerlichen Vandalismus-Anfall erwischt und muss zur Strafe aufs Internat. Dort angekommen wartet natürlich ein Kulturschock auf sie: Keine Technik, keine Freunde, dafür eine ausführliche Hausordnung, strenge Benimmregeln und öde Kleidervorschriften. Bei der Schilderung des alten Schulgemäuers und der umgebenden Gärten und Wälder kommt man dabei nicht umhin, zwangsläufig an die berühmte Hogwarts-Schule der “Harry Potter”-Reihe zu denken, so sehr man sich auch bemüht dies nicht zu tun. Wenn man so unfair sein möchte und die beiden Franchises miteinander vergleicht, so zieht die Cimmeria Academy wenig überraschend klar den Kürzeren. Zwar gibt es auf dem Schulgelände ebenfalls düstere Abschnitte oder verbotene Korridore, allerdings fehlt einfach dieses Magische und Besondere, welches den Leser direkt in seinen Bann zieht.

 

Eine 15-Jährige zwischen zwei gegensätzlichen Verehrern

 

Ist Allie dann auf dem Internat angekommen, geht es dann mit den üblichen Mechanismen weiter. Lehrer und Mitschüler werden nach und nach eingeführt, die Protagonistin knüpft zaghaft erste Freundschaften und lernt, von wem sie sich besser fernzuhalten hat. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase konzentriert sich die Figurenkonstellation dann vornehmlich auf Allies engste Vertraute Jo sowie die beiden Jungen Sylvain und Carter, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sylvain ist der allseits beliebte Sunnyboy mit französischer Herkunft, der mit seinem Aussehen und seinem Akzent alle Cimmeria-Mädels verrückt macht und sich nun ausgerechnet für die Neue zu interessieren scheint. Carter ist das krasse Gegenteil: unfreundlich, verschroben und geheimnisvoll, allerdings übt Allie offenbar auch auf ihn eine gewisse Anziehungskraft aus, was irgendwie auch auf Gegenseitigkeit beruht. Das führt natürlich zwangsläufig dazu, dass der Leser sich mit dem befürchteten und scheinbar unvermeidbaren Liebeschaos auseinandersetzen muss. Ständig pendelt die Protagonistin zwischen den beiden Rivalen und nicht selten wird es etwas kitschig, was aber wohl der jugendlichen (und vermutlich auch eher weiblichen) Zielgruppe geschuldet ist. Das habe ich zuweilen schon als recht nervig empfunden, vor allem weil ich die Gefühle Allies für den meiner Meinung nach total schmierigen, aalglatten und arroganten Sylvain überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Die Figur des Carter hingegen hat deutlich mehr Ecken und Kanten und ist dadurch um einiges interessanter.

 

Regel Nr. 1: Ihr verliert kein Wort über die Night School!

 

Abgesehen von diesem romantischen Hin und Her ist die Geschichte aber durchaus gefällig, vor allem wenn sich dann die mysteriösen Vorfälle häufen und die titelgebende “Night School” endlich in den Fokus rückt. Hier treffen sich regelmäßig einige ausgewählte Schüler, um in einem für den Rest der Schülerschaft verbotenen Gebäudeteil geheimen Unternehmungen nachzugehen. Diesen privilegierten Jugendlichen sind jegliche Gespräche über die Treffen streng untersagt, genauso dürfen keinerlei Informationen nach draußen dringen, wer alles an diesem speziellen Unterricht teilnimmt – quasi frei nach den beiden ersten “Fight Club”-Regeln “Ihr verliert kein Wort über die Night School!” Was es genau damit auf sich hat, darüber lässt die Autorin ihre Leser lange im Unklaren und es darf munter mitgerätselt werden. Letzten Endes ist die Auflösung aber dann doch nicht so schockierend, wie man vielleicht erwarten durfte. Zudem hört das Buch sehr plötzlich auf und bietet kurz vor Schluss lediglich einen kurzen Showdown, der aber irgendwie nur wie ein Vorgeplänkel zum großen Finale wirkt, welches dann aber ausbleibt. Das verwundert aufgrund der auf fünf Bände angelegten Story zwar nicht wirklich, trotzdem wäre es schön gewesen, wenn “Night School 1″ wenigstens eine in sich abgeschlossenen Story gehabt hätte.

 

Schlussfazit:
“Night School. Du darfst keinem trauen” von C.J. Daugherty ist ein spannender und unterhaltsamer Jugendroman, der sich im Vergleich zu Büchern wie der “Panem”-Trilogie oder der “Harry Potter”-Reihe aber wirklich mehr an ein etwas jüngeres Publikum richtet. Dessen Bedürfnisse werden mit der geheimnisvollen Story, dem mysteriösen Schauplatz und der immer wieder durchklingenden Teenie-Love-Story wohl optimal bedient, mir persönlich ging das ständige Gefühlschaos stellenweise ein wenig auf den Keks. Auch die Hauptfiguren agierten mir manchmal zu launisch und zicken sich recht häufig unvermittelt an, nur um kurz darauf wieder die besten Freunde zu sein.

 

Spannender Auftakt der “Night School”-Jugendbuchreihe mit schwachem Finale

 

Mein größter Kritikpunkt ist jedoch das unvollkommende Ende. Natürlich ist es bei einer Serie klar, dass nicht alle Fragen schon im ersten Band beantwortet werden, doch es fehlt hier einfach ein würdiger Schlusspunkt für den ersten Teil. Diese Schwäche hat aber auch den positiven Nebeneffekt, dass der Schluss die Neugier auf den zweiten Band deutlich anheizt, sodass dieser nach Erscheinen wohl auch wieder in meiner Bibliothek landen wird. Wer also derartige Internatsgeschichten mag und dabei auch die ein oder andere etwas klischeehafte Herzschmerz-Passage verkraften kann, der darf sich “Night School” ruhig einmal näher anschauen. Zwar zählt das Buch nicht zuletzt aufgrund des recht simplen Schreibstils nicht gerade zur anspruchsvollen Literatur, fesselnd geschrieben ist das Werk von C.J. Daugherty aber allemal. Sehr angenehm fand ich auch, dass die Story wie versprochen garantiert frei von Fantasy-Elementen ist, auch wenn es zwischendurch gelegentlich einen anderen Anschein erweckt.

Quelle: http://buechermonster.wordpress.com/2012/09/29/night-school-du-darfst-keinem-trauen-c-j-daugherty-roman

Der Ursprung des Bösen – Jean-Christophe Grangé (Hörbuchrezension)

Der Ursprung des Bösen - Jean-Christophe Grangé, Dietmar Wunder, Nicole Engeln, Ulrike Werner-Richter

Der Psychiater Mathias Freire wird während seiner Nachtschicht in einer Klinik in Bordeaux verständigt, um sich um einen Patienten mit Gedächtnisverlust zu kümmern. Der Mann wurde in der Nähe eines Tatortes aufgefunden, wo kurz zuvor ein junger Mann auf bestialische Weise getötet wurde. Dem Opfer wurde nach seinem Tod der Kopf abgeschnitten und auf den Rumpf anstelle des eigenen Hauptes ein Stierkopf gestülpt. Die Polizei erhofft sich von dem in die Klinik eingelieferten Mann wichtige Hinweise in diesem schockierenden Mordfall, doch Patrick Bonfils kann sich an absolut nichts erinnern. Offenbar leidet er an einer dissoziativen Amnesie und hat infolge eines traumatischen Erlebnisses seine eigene Identität fast vollständig verdrängt.

 

Brutaler Ritualmord und ein Augenzeuge mit Gedächtnisverlust

 

Während Mathias Freire dem Gedächtnisverlust von Bonfils näher auf den Grund geht und versucht, die Erinnerungen des Mannes wieder hervorzubringen, ermittelt die Polizistin Anaïs Chatelet in dem “Minotaurus”-Mord, wie das Verbrechen aufgrund der makabren Inszenierung der Leiche genannt wird. Dabei sucht sie auch Mathias Freire auf, um sich nach dem Zustand des vermeintlichen Augenzeugen zu informieren und mit dessen Aussage dem Täter auf die Spur zu kommen. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass Bonfils selbst für den brutalen Mord verantwortlich ist. Als der Mann jedoch wenig später von zwei Auftragskillern erschossen wird und auch Freire dem Anschlag nur knapp entkommt, nimmt der Fall aber eine überraschende Wendung. Alles hat den Anschein, als würde auch der Psychiater viel tiefer in das Verbrechen involviert sein, als er sich selbst vorstellen kann…

 

Der neue Thriller von Frankreichs Bestsellerautor Jean-Christophe Grangé

 

“Der Ursprung des Bösen” ist der neue Thriller des französischen Bestsellerautors Jean-Christophe Grangé und sein erstes Werk, das in Deutschland als ungekürztes Hörbuch erschienen ist. Gelesen wird der über 21 Stunden lange Titel von Dietmar Wunder, was Grangés Neuling für mich gleich doppelt reizvoll gemacht hat. Zwar hatte ich zuvor noch kein Buch des Autors gelesen oder gehört, kannte jedoch die Romanverfilmungen von “Die purpurnen Flüsse” und “Das Imperium Wölfe”, die mir beide ziemlich gut gefallen haben. Da ich überdies auch noch gerne derartige französische Mystery-Thriller konsumiere und Dietmar Wunder seit den Alex-Cross-Hörbüchern zu meinen Lieblingssprechern gehört, habe ich bei Veröffentlichung von “Der Ursprung des Bösen” nicht lange gezögert und direkt mein Audible-Guthaben dafür geopfert.

 

Etwas irreführende Inhaltsbeschreibung

 

Allerdings möchte ich gleich zu Beginn einmal ein paar Worte zur Inhaltsbeschreibung verlieren, die in meinen Augen doch sehr missverständlich und irreführend ausgefallen ist. Es ist nämlich keinesfalls so, dass der Protagonist Mathias Freire regelmäßig seine eigene Identität vergessen würde und er dann jedes Mal wieder zu sich selbst finden müsste. In den ersten Stunden des Hörbuches hatte ich stellenweise sogar den Eindruck, als hätte man bei der Beschreibung Freire mit dem Patienten Bonfils verwechselt, der in die Obhut des Psychiaters gegeben wird. Denn diese Figur weist genau die Eigenheiten auf, die im Klappentext Freire zugeschrieben wurden. Aufgefunden in der Nähe eines Mordschauplatzes, kann sich der Mann an nichts mehr erinnern und soll mit dem Psychiater seine Vergangenheit aufarbeiten. Dabei stellt sich nach und nach heraus, dass Bonfils immer wieder in neue Identitäten flüchtet, was offenbar mit einem zurückliegenden traumatischen Erlebnis zusammenhängt. Freire gelingt es jedoch, die Erinnerungen des Mannes teilweise wiederherzustellen und ihn zurück zu seiner Frau zu bringen. Kurz danach kommt es dann aber zu oben erwähntem Attentat, bei dem Bonfils und seine Frau sterben und Freire selbst nur knapp dem Tode entkommt. Erst ab diesem Punkt verläuft die Handlung dann ungefähr so, wie man es beim Lesen der Inhaltsbeschreibung erwarten kann.

 

Hoher Unterhaltungswert trotz teilweise absurder Wendungen

 

Man muss aber leider festhalten, dass dieser Wendepunkt dem Autor nur recht mäßig geglückt ist und doch sehr absurd wirkt. Während seiner Flucht vor den Auftragskillern wird Freire nämlich von einem Fremden angesprochen, der in ihm einen Obdachlosen aus Marseille wiedererkennt. Anstatt dies als eine simple Verwechslung hinzunehmen, nimmt der Psychiater dies jedoch zum Anlass, um aus heiterem Himmel sein ganzes Leben infrage zu stellen und die eigene Identität anzuzweifeln. Man stelle sich einmal vor, man selbst würde bei jeder Verwechslung gleich völlig verzweifelt und panisch nach seiner wahren Herkunft suchen und bei sich selbst eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Außerdem erscheint es mir auch nicht sonderlich wahrscheinlich, dass mit Bonfils und Freire gleich zwei Menschen auf einmal an dieser seltenen Erkrankung leiden. Der Zufall wird nicht nur an besagter Szene überstrapaziert und so wirkt auch im späteren Verlauf die ein oder andere Wendung ein wenig unglaubwürdig.

 

Darüber kann man sich nun ärgern oder aber diese Entwicklung protestlos hinnehmen – bei letzterer Herangehensweise hat man eindeutig mehr von “Der Ursprung des Bösen”. Denn so zweifelhaft und unrealistisch manche Passagen auch erscheinen mögen, wenn man sich auf Grangés Gedankenspiele einlässt, bekommt man eine ziemlich spannende und abwechslungsreiche Geschichte geboten. Wie bei einer russischen Matrjoschka-Puppe muss die Hauptfigur nämlich nach und nach seine bisherigen Identitäten enthüllen, um seine eigene Rolle bei dem “Minotaurus”-Mord herauszufinden. Das ist vor allem deshalb äußerst kurzweilig, weil sich Grangé bei den diversen Persönlichkeiten recht kreativ zeigt und diese sehr variantenreich skizziert. Ob Psychiater, Obdachloser oder Kunsthändler – immer wieder taucht Freire (und damit auch der Hörer) in eine ganz neue Szene ein und reist nebenbei auch noch durch halb Frankreich. Die Palette reicht dabei von Bordeaux über Marseille bis nach Paris und immer zeichnet der Autor ein sehr stimmungsvolles Bild seiner Schauplätze, besonders das harte Leben auf der Straße wird sehr eindrucksvoll geschildert.

 

Atemberaubende Spurensuche mit Mystery- und Romantik-Einflüssen

 

Als wäre dies alles noch nicht fesselnd genug, hat Grangé noch zwei weitere Trümpfe in der Hinterhand. Da gibt es zum einen die vielen Bezüge zur griechischen Mythologie, die im Zusammenhang mit der geschilderten Mordserie eingestreut werden und sich meist in den Arrangements der Leichen niederschlagen. Das verleiht der Geschichte eine sehr gelungene mysteriöse Note, welche die spannende Spurensuche noch einmal ein gutes Stück faszinierender macht. Darüber hinaus hat der Autor für seine Hauptfigur noch eine charismatische Gegenspielerin parat, nämlich die Polizistin Anaïs Chatelet. Die forsche und selbstbewusste junge Ermittlerin arbeitet mit allen Mitteln an der Aufklärung des “Minotaurus”-Mordes und nimmt schnell den Psychiater selbst in Visier. So wird die Handlung immer abwechselnd aus der Sicht von Freire und Chatelet geschildert, wobei in den Anaïs-Passagen die Ereignisse meist nur in etwas abgewandelter Form noch einmal vorgekaut werden. Das hat zwar den Vorteil, dass man sich so die wichtigsten Details leicht einprägen kann, allerdings nehmen diese Wiederholungen aber auch immer ein wenig Tempo aus der ansonsten rasanten Story. Zudem verleiht Grangé diesem Katz-und-Maus-Spiel darüber hinaus noch eine romantische Komponente, die aber meiner Meinung nach nicht wirklich nötig gewesen wäre.

 

Der Sprecher:
Wie schon erwähnt, wird “Der Ursprung des Bösen” von Dietmar Wunder gelesen, der neben David Nathan und Simon Jäger seinen festen Platz in meiner persönlichen Sprecher-Top3 hat. Wunders markante Stimme hat wohl jeder schon mal gehört, sei es als Synchronstimme von Daniel Craig in den neueren Bond-Filmen, als deutsche Stimme von Adam Sandler oder durch Synchronisationen in Erfolgsserien wie “Dr. House” (Omar Epps), “CSI: New York” (Carmine Giovinazzo) oder “Numb3rs” (Rob Morrow).

 

Dietmar Wunder in Bestform sorgt für intensives Kopfkino

 

Auch für Grangés Mystery-Thriller ist Wunder wieder eine hervorragende Wahl, denn er fängt die Stimmung der Buchvorlage sehr gut ein und schildert die verworrene Story überaus eindringlich. Zudem verleiht er den Charakteren eine individuelle Note und lässt so ein kleines Kopfkino entstehen, dem man sich nur schwer entziehen kann. Der Sprecher versteht es auch wie kaum ein zweiter, seine Lesegeschwindigkeit an die Temposchwankungen der Handlung anzupassen. Actionszenen werden dadurch unheimlich rasant und mitreißend, ruhige Passagen hingegen durch Wunders Flüsterton noch intensiver.

 

Schlussfazit:
Zugegeben: Jean-Christoph Grangés neuestes Werk zeichnet sich nicht unbedingt durch einen sehr hohen Realitätsgrad aus und manche Wendungen sind doch arg zweifelhaft und basieren auf äußerst unwahrscheinlichen Zufällen. Wen so etwas stört, der sollte lieber die Finger von “Der Ursprung des Bösen” lassen. Kann man aber über solche Unglaubwürdigkeiten hinwegsehen und mag man französische Psychothriller mit einem Schuss Mystery, dann sollte man sich den neuen Grangé wirklich nicht entgehen lassen.

 

Rasanter und abwechslungsreicher Frankreich-Thriller mit gelegentlichen Unglaubwürdigkeiten

 

Die Geschichte wird sehr temporeich erzählt und ist durch die vielen Identitäten und Schauplatzwechsel überaus facettenreich, sodass Langeweile keine Chance hat. Die wilde Hatz durch Frankreich macht einfach richtig Spaß und ist dank des permanenten Katz-und-Maus-Spiels immer mitreißend. Neben dem Unterhaltungsaspekt bekommt man aber auch einige interessante Informationen geboten, sei es über die menschliche Psyche oder Kunstgeschichte, alles präsentiert von einem Dietmar Wunder in Bestform. Auf mich wirkte “Der Ursprung des Bösen” stellenweise wie eine Mischung aus der “Jason Bourne”-Reihe und Bernard Miniers “Schwarzer Schmetterling”. Wer an solchen Stoffen Gefallen findet, sollte unbedingt mal ein Ohr riskieren.

Quelle: http://buechermonster.wordpress.com/2012/09/27/der-ursprung-des-bosen-jean-christophe-grange-horbuch

Der Federmann – Max Bentow (Hörbuchrezension)

Der Federmann - Max Bentow

Nils Trojan ist Hauptkommissar bei der Mordkommission in Berlin und hat in seiner langen Karriere schon einige Abscheulichkeiten gesehen. Abstoßende Tatorte, grausam zugerichtete Leichen und menschliche Abgründe. Obwohl dies zu seinem beruflichen Alltag gehört, gehen Trojan die schlimmen Bilder und Erlebnisse immer wieder aufs Neue nahe – so sehr, dass sie ihn nachts in seinen Träumen verfolgen und gelegentlich zu Panikattacken führen. Daher nimmt der Kommissar seit geraumer Zeit professionelle Hilfe in Anspruch und geht regelmäßig zu therapeutischen Sitzungen mit der Psychologin Jana Michels, um so seine Ängste zu überwinden und die täglichen Eindrücke besser verarbeiten zu können.

 

Serienmörder tötet junge Frauen und hinterlässt Vogelkadaver auf den Leichen

 

Auch sein neuester Fall führt Nils Trojan wieder die schlimmste Seite seines Berufes vor Augen: Eine junge Frau wurde brutal ermordet und ihr Leichnam entstellt. Dem Opfer wurde der Schädel kahl geschoren und von dem ehemals langen blonden Haar fehlt jede Spur. Dafür finden die Ermittler jedoch ein weiteres abstoßendes Detail: Auf der Leiche hat der Täter einen toten Vogel platziert, dem zuvor die Federn ausgerissen und die Eingeweide entfernt wurden. Trojan und seinem Team fehlen bei der Suche nach dem Mörder jegliche Anhaltspunkte, zudem deutet der Modus Operandi darauf hin, dass die Frau nicht das letzte Opfer des Killers bleiben wird. Wenige Tage später bestätigt sich dieser Verdacht, als eine weitere Frau auf ähnliche Weise getötet wird. Allerdings gibt es bei diesem Mord einen Zeugen, nämlich die kleine Tochter des Opfers…

 

Auftakt der Nils-Trojan-Serie des Berliner Autors Max Bentow

 

“Der Federmann” ist der Debütroman des Berliner Autors Max Bentow und zugleich der erste Auftritt des Ermittlers Nils Trojan, der passenderweise auch gleich in der Heimat seines Schöpfers einen Serienmörder jagen darf. Wer nun allerdings auf einen Thriller mit Berliner Lokalkolorit hofft, der wird jedoch etwas enttäuscht. Hauptstadtflair oder bekannte Plätze und Sehenswürdigkeiten sucht man nämlich vergebens und bis auf ein paar Straßennamen hätte die Story wohl genau so auch in jeder anderen Stadt spielen können. Das ist zwar ein wenig schade, aber Bentow verlegt das Augenmerk mehr auf die Geschichte und seine Protagonisten – dies allerdings mit eher durchwachsenem Erfolg.

 

Psychothriller nach Schema F

 

Die Geschichte verläuft dabei nach dem bekannten Schema und bietet auch durchaus solide Unterhaltung. Eine schockierende Mordserie, ein psychisch etwas angeknackster Ermittler und eine blutjunge Augenzeugin, die plötzlich in großer Gefahr schwebt – Bentow erfindet das Rad sicherlich nicht neu, hat die bewährten Zutaten aber zu einer recht gefälligen Story zusammengerührt. Dazu kommen dann hier und da noch ein paar unappetitliche Szenen – wie die zerquetschten Vogelkadaver oder ein Verdächtiger, der bei seiner Vernehmung in ein Glas beißt und die Scherben verschluckt –, welche für einen gewissen Ekelfaktor sorgen und der Geschichte noch ein wenig Spektakel verleihen sollen. Das ist aber bei weitem nicht so abstoßend, wie es die Anpreisungen der Werbung und manche Amazon-Rezension vermuten lassen. Hartgesottenen Thriller-Lesern locken diese Momente wohl nur ein müdes Lächeln hervor, da gibt es im Genre deutlich blutrünstigere Bücher.

 

Farblose, launenhafte und wenig sympathische Hauptfigur

 

Das ist aber wohl auch Geschmackssache, schließlich sollte ja auch die Handlung über die Qualität eines Krimis bestimmen und nicht unbedingt der Gore-Faktor. Allerdings weist “Der Federmann” auch hier einige Schwachpunkte auf, die das Vordringen in höhere Wertungsregionen verhindern. Das beginnt schon bei der Hauptfigur: Dass ein erfahrener Ermittler mit psychischen Problemen jetzt nicht mehr unbedingt so originell ist, liegt auf der Hand, davon gibt es in diesem Genre mehr als genug. Max Bentow schafft es aber auch nicht, dessen vermeintlichen Ängste glaubwürdig zu vermitteln. Nils Trojan wirkt zu keiner Zeit so angeschlagen, dass er psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müsste und so bleiben die Therapiesitzungen erstaunlich oberflächlich. Dabei steht auch gar nicht die Angstbewältigung im Mittelpunkt, sondern die Beziehung zwischen Patient und Therapeutin. Trojan hat sich nämlich in seine attraktive Psychologin verguckt und ist primär daran interessiert, diese zum Essen einzuladen statt über seine Probleme zu reden. Diese bemühte Romanze ist so überflüssig wie nur sonst etwas, wirkt überhaupt nicht glaubwürdig und dient wohl nur dazu, eine weitere persönliche Komponente in den Fall zu integrieren – ob das aber wirklich nötig war, darf bezweifelt werden.

 

Auch eignet sich der Protagonist meiner Meinung nach nicht wirklich als Identifikationsfigur. Nils Trojan und seine Helfer wirken auf mich weder besonders kompetent noch sympathisch, vor allem die unberechenbaren Launen des Kommissars erscheinen mir absolut künstlich. In einem Moment ist Trojan noch der nette und einfühlsame Polizist, nur um dann völlig grundlos auszuflippen und aufbrausend und patzig mit unbegründeten Anschuldigungen um sich zu werfen. Dementsprechend verlaufen dann in der Regel auch die Zeugenbefragungen, bei denen es den Anschein hat, als müsse man nur oft genug die gleiche dumme Frage stellen, um eine verwertbare Antwort zu bekommen. Die Dialoge sehen dann meistens ungefähr so aus: “Fällt Ihnen noch etwas Wichtiges dazu ein?” – “Ich weiß nicht” – “Denken Sie nach!” – “Tut mit leid” – “Es ist aber wichtig, verdammt” – “Ah doch, jetzt fällt es mir ein…” Solche banalen Konversationen kann man vielleicht einmal bringen, wenn diese aber ständig so ablaufen, tut es beim Hören aber schon fast körperlich weh.

 

Unglaubwürdigkeiten und Logikfehler trüben den Lesegenuss

 

Weiterhin stören einige böse Unstimmigkeiten den Lesegenuss. Hierbei reicht die Palette von simplen Logikfehlern bis hin zu haarsträubenden Unglaubwürdigkeiten, die wirklich einfach nur ärgerlich sind. Beispiele gefällig? (Achtung: Spoiler) Während der Jagd auf den Täter muss Trojan heimlich auf den Computer seiner Therapeutin zugreifen, um dort für den Fall wichtige Patientenakten zu suchen. Bentow will mir hier doch nicht allen Ernstes weismachen, dass eine verantwortungsbewusste Ärztin derart brisante Dokumente mit dem simplen Passwort “Passwort” absichert??? Anderes Beispiel: Im Verlauf der Ermittlungen erhält eine weitere Frau eine Warnung in Form eines verstümmelten Vogels, was den Ermittlern auch bekannt ist. Statt für Polizeischutz zu sorgen, lässt man sie jedoch weiterhin unbewacht durch Berlin spazieren. Dreimal dürft ihr jetzt raten, was mit der Frau passiert… Gleiches gilt für die Untersuchung eines für die Ermittlungen relevanten Selbstmordfalls, der bereits eine geraume Zeit zurückliegt. Trojan findet innerhalb von wenigen Minuten heraus, dass dieser Suizid nicht so stattgefunden haben kann, wie es die Akten darstellen. Wenn es so dermaßen einfach war, diese Ungereimtheiten zu finden, warum sind dann nicht schon damals die Polizisten drauf gekommen? (Spoiler Ende).

 

Der Sprecher:
So durchwachsen wie die Geschichte selbst präsentiert sich leider auch der Sprecher. Gelesen wird “Der Federmann” nämlich von Axel Milberg, den die meisten vermutlich als “Tatort”-Kommissar kennen dürften. Und genau hier liegt auch schon ein kleines Problem, für das Milberg selbst zugegeben wenig kann: Ich hatte beim Hören einfach ständig den Fernsehkommissar vor Augen, was aber gerade noch erträglich ist, da dieser noch einigermaßen zur Figur Nils Trojan passt. Ich weiß auch nicht, warum dies gerade bei von Axel Milberg gesprochenen Hörbüchern bei mir immer der Fall ist, schließlich habe ich bei Titeln mit David Nathan oder Detlef Bierstedt auch nicht Johnny Depp oder George Clooney vor Augen… Das ist aber mein persönliches Problem und kann nicht dem Sprecher zur Last gelegt werden.

 

Durchwachsene Sprecherleistung

 

Nerviger fand ich hingegen, dass Milberg sich sehr oft anhört wie ein Märchenonkel, der seinen Kindern abenteuerliche Geschichten von verwunschenen Prinzen, bösen Hexen oder gefährlichen Drachen vorliest. Seine stellenweise etwas übertriebene Betonung passt meiner Meinung nach nicht wirklich zur Thematik des Buches und lässt es an der nötigen Ernsthaftigkeit fehlen. Man muss Milberg aber zugute halten, dass er die einzelnen Charaktere schon recht gut verkörpert und sich auch durchaus vielseitig zeigt. Somit bleibt von dieser Lesung ein zwiegespaltener Eindruck mit Licht und Schatten, was leider zur schwankenden Qualität des Buches passt.

 

Schlussfazit:
“Der Federmann” von Max Bentow ist ein solider Psychothriller, der zwar recht ordentlich unterhält, aber auch leider nichts Neues oder Überraschendes zu bieten hat. Story und Charaktere basieren auf dem bekannten Schema F und sind daher etwas oberflächlich geraten. Das recht flotte Erzähltempo bringt zwangsläufig Spannung mit sich, ohne allerdings für wirklichen Nervenkitzel zu sorgen – dafür ist die Handlung einfach zu konventionell, woran auch die vermeintlich schockierenden Ekel-Szenen nichts ändern können.

 

Solider, wenig origineller Psychothriller mit vermeidbaren Schwächen

 

Das große Manko des Titels sind aber die wirklich nervenden Unstimmigkeiten und Logikfehler sowie banale Dialoge und ständige Wiederholungen der gleichen Schwachpunkte. Auch die eingebaute Romanze ist total überflüssig und nicht mal im Ansatz glaubwürdig. Wer nach anspruchsloser Krimiunterhaltung sucht und über diese Kritikpunkte hinwegsehen kann, bekommt mit “Der Federmann” immerhin ein paar unterhaltsame Stunden geboten, allerdings wäre mit einfachen Mitteln und etwas mehr Kreativität deutlich mehr drin gewesen. Bleibt zu hoffen, dass Max Bentow bei dem bereits erschienenen Nachfolger “Die Puppenmacherin” aus den Fehlern des Debüts gelernt hat und seiner Geschichte etwas mehr Originalität verpasst hat.

Quelle: http://buechermonster.wordpress.com/2012/09/26/der-federmann-max-bentow-horbuch