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Night School. Du darfst keinem trauen – C.J. Daugherty (Buchrezension)

Night School. Du darfst keinem trauen (Night School #1) - C.J. Daugherty

Seitdem ihr Bruder Christopher vor geraumer Zeit spurlos verschwunden ist, hat sich die 15-jährige Alyson Sheridan zu einem regelrechten Problemkind entwickelt. Ständig gibt es Ärger in der Schule und nicht selten wird das Mädchen von der Polizei nach Hause gebracht. Allie scheint dies jedoch nicht davon abzuhalten, weiter mit ihrer Clique für Unruhe zu sorgen. Als sie dann aber erwischt wird, wie sie in der Schule unflätige Graffitis an die Tür der Direktorin sprayt, nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung. Zwar kann sie sich noch vor der Polizei in einen Abstellraum flüchten, doch aufgrund einer dort erlittenen Panikattacke ist sie praktisch gezwungen, ihren Verfolgern in die Arme zu laufen.

 

Eine rebellische Teenagerin wird auf ein geheimnisvolles Elite-Internat strafversetzt

 

Diese Aktion bringt bei ihren Eltern das Fass zum Überlaufen und so sehen sich die Sheridans genötigt, ihre rebellische Tochter in eine neue Umgebung zu schicken, um Allies Treiben ein Ende zu setzen. So wird die 15-Jährige kurzerhand ins Auto gepackt und an der geheimnisvollen Cimmeria Academy abgesetzt, einem abgelegenen Elite-Internat mit strengen Regeln, welches das Mädchen zur Besinnung bringen soll. Allie ist natürlich wenig begeistert, hat aber keine andere Wahl, als sich umgehend an der neuen Schule einzugewöhnen. Dabei macht sie schnell die Erfahrung, dass Cimmeria offenbar ein ganz besonderer Ort ist: Jegliche Technik ist von dem Internat ausgeschlossen und so muss sich Allie statt mit Computern und iPods nun intensiv mit ihrem Lernstoff auseinandersetzen. Doch nach und nach entdeckt sie zudem, dass die Schule allem Anschein nach noch ein dunkles Geheimnis hat, dass unter allen Umständen verborgen bleiben soll…

 

Spannender Internatsthriller oder klischeehafte Teenie-Story?

 

Ich gebe ehrlich zu, dass ich lange überlegt habe, bis ich mir “Night School. Du darfst keinem trauen” in meine iBooks-Bibliothek geladen habe. Einerseits fand ich das tolle Cover auf den ersten Blick sehr ansprechend und außerdem lese ich nicht erst seit “Harry Potter” unheimlich gerne Internatsgeschichten. Allerdings hatte ich nach dem Lesen des Klappentextes auch durchaus meine Vorurteile. Denn auf der anderen Seite roch das dort Gelesene doch ziemlich stark nach klischeebehafteter Teenie-Story mit schwülstigen Herzschmerz-Einlagen und Fantasy-Elementen. An dieser Stelle kann ich aber zumindest schon mal teilweise Entwarnung geben, denn der erste von fünf angekündigten “Night School”-Bänden ist garantiert frei von Vampiren, Werwölfen oder sonstigen Fantasygestalten.

 

Wenig origineller Anfang mit den üblichen Schulwechsel-Abläufen

 

Der Einstieg ist zugegebenermaßen nicht sonderlich originell. Die jugendliche Hauptfigur wird bei einem neuerlichen Vandalismus-Anfall erwischt und muss zur Strafe aufs Internat. Dort angekommen wartet natürlich ein Kulturschock auf sie: Keine Technik, keine Freunde, dafür eine ausführliche Hausordnung, strenge Benimmregeln und öde Kleidervorschriften. Bei der Schilderung des alten Schulgemäuers und der umgebenden Gärten und Wälder kommt man dabei nicht umhin, zwangsläufig an die berühmte Hogwarts-Schule der “Harry Potter”-Reihe zu denken, so sehr man sich auch bemüht dies nicht zu tun. Wenn man so unfair sein möchte und die beiden Franchises miteinander vergleicht, so zieht die Cimmeria Academy wenig überraschend klar den Kürzeren. Zwar gibt es auf dem Schulgelände ebenfalls düstere Abschnitte oder verbotene Korridore, allerdings fehlt einfach dieses Magische und Besondere, welches den Leser direkt in seinen Bann zieht.

 

Eine 15-Jährige zwischen zwei gegensätzlichen Verehrern

 

Ist Allie dann auf dem Internat angekommen, geht es dann mit den üblichen Mechanismen weiter. Lehrer und Mitschüler werden nach und nach eingeführt, die Protagonistin knüpft zaghaft erste Freundschaften und lernt, von wem sie sich besser fernzuhalten hat. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase konzentriert sich die Figurenkonstellation dann vornehmlich auf Allies engste Vertraute Jo sowie die beiden Jungen Sylvain und Carter, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sylvain ist der allseits beliebte Sunnyboy mit französischer Herkunft, der mit seinem Aussehen und seinem Akzent alle Cimmeria-Mädels verrückt macht und sich nun ausgerechnet für die Neue zu interessieren scheint. Carter ist das krasse Gegenteil: unfreundlich, verschroben und geheimnisvoll, allerdings übt Allie offenbar auch auf ihn eine gewisse Anziehungskraft aus, was irgendwie auch auf Gegenseitigkeit beruht. Das führt natürlich zwangsläufig dazu, dass der Leser sich mit dem befürchteten und scheinbar unvermeidbaren Liebeschaos auseinandersetzen muss. Ständig pendelt die Protagonistin zwischen den beiden Rivalen und nicht selten wird es etwas kitschig, was aber wohl der jugendlichen (und vermutlich auch eher weiblichen) Zielgruppe geschuldet ist. Das habe ich zuweilen schon als recht nervig empfunden, vor allem weil ich die Gefühle Allies für den meiner Meinung nach total schmierigen, aalglatten und arroganten Sylvain überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Die Figur des Carter hingegen hat deutlich mehr Ecken und Kanten und ist dadurch um einiges interessanter.

 

Regel Nr. 1: Ihr verliert kein Wort über die Night School!

 

Abgesehen von diesem romantischen Hin und Her ist die Geschichte aber durchaus gefällig, vor allem wenn sich dann die mysteriösen Vorfälle häufen und die titelgebende “Night School” endlich in den Fokus rückt. Hier treffen sich regelmäßig einige ausgewählte Schüler, um in einem für den Rest der Schülerschaft verbotenen Gebäudeteil geheimen Unternehmungen nachzugehen. Diesen privilegierten Jugendlichen sind jegliche Gespräche über die Treffen streng untersagt, genauso dürfen keinerlei Informationen nach draußen dringen, wer alles an diesem speziellen Unterricht teilnimmt – quasi frei nach den beiden ersten “Fight Club”-Regeln “Ihr verliert kein Wort über die Night School!” Was es genau damit auf sich hat, darüber lässt die Autorin ihre Leser lange im Unklaren und es darf munter mitgerätselt werden. Letzten Endes ist die Auflösung aber dann doch nicht so schockierend, wie man vielleicht erwarten durfte. Zudem hört das Buch sehr plötzlich auf und bietet kurz vor Schluss lediglich einen kurzen Showdown, der aber irgendwie nur wie ein Vorgeplänkel zum großen Finale wirkt, welches dann aber ausbleibt. Das verwundert aufgrund der auf fünf Bände angelegten Story zwar nicht wirklich, trotzdem wäre es schön gewesen, wenn “Night School 1″ wenigstens eine in sich abgeschlossenen Story gehabt hätte.

 

Schlussfazit:
“Night School. Du darfst keinem trauen” von C.J. Daugherty ist ein spannender und unterhaltsamer Jugendroman, der sich im Vergleich zu Büchern wie der “Panem”-Trilogie oder der “Harry Potter”-Reihe aber wirklich mehr an ein etwas jüngeres Publikum richtet. Dessen Bedürfnisse werden mit der geheimnisvollen Story, dem mysteriösen Schauplatz und der immer wieder durchklingenden Teenie-Love-Story wohl optimal bedient, mir persönlich ging das ständige Gefühlschaos stellenweise ein wenig auf den Keks. Auch die Hauptfiguren agierten mir manchmal zu launisch und zicken sich recht häufig unvermittelt an, nur um kurz darauf wieder die besten Freunde zu sein.

 

Spannender Auftakt der “Night School”-Jugendbuchreihe mit schwachem Finale

 

Mein größter Kritikpunkt ist jedoch das unvollkommende Ende. Natürlich ist es bei einer Serie klar, dass nicht alle Fragen schon im ersten Band beantwortet werden, doch es fehlt hier einfach ein würdiger Schlusspunkt für den ersten Teil. Diese Schwäche hat aber auch den positiven Nebeneffekt, dass der Schluss die Neugier auf den zweiten Band deutlich anheizt, sodass dieser nach Erscheinen wohl auch wieder in meiner Bibliothek landen wird. Wer also derartige Internatsgeschichten mag und dabei auch die ein oder andere etwas klischeehafte Herzschmerz-Passage verkraften kann, der darf sich “Night School” ruhig einmal näher anschauen. Zwar zählt das Buch nicht zuletzt aufgrund des recht simplen Schreibstils nicht gerade zur anspruchsvollen Literatur, fesselnd geschrieben ist das Werk von C.J. Daugherty aber allemal. Sehr angenehm fand ich auch, dass die Story wie versprochen garantiert frei von Fantasy-Elementen ist, auch wenn es zwischendurch gelegentlich einen anderen Anschein erweckt.

Quelle: http://buechermonster.wordpress.com/2012/09/29/night-school-du-darfst-keinem-trauen-c-j-daugherty-roman